Ende gut, alles gut. Das Jahr 2011 neigt sich dem Ende.
Und waehrend in Deutschland mittlerweile alle Silvesterparties auf Hochtouren laufen (zu Beginn dieser Zeilen) und die Sektkorken auf ihren "Abschuss" in den Neujahrshimmel warten, kann ich mich noch ganz entspannt auf mein Bett zurueck ziehen und euch diese Zeilen schreiben.
Es faellt mir gar nicht so leicht, in diesen Stunden und Minuten nicht an die Heimat, an die Familie und an die vielen tollen Feiern der letzten Jahre mit vielen guten Freunden zu denken. Fuer gewoehnlich wusste ich schon lange im Voraus, wo ich die letzte Nacht des Jahres verbringen werde. 4 mal in Folge gab es keine andere und bessere Wahl, als die V.I.F.-Feier in Leipzig. Zusammen mit Kevin stand ich ohne "Punkt und Komma" die ganze Nacht am Tresen und wir zapften was das Zeug hielt und mixten Cocktails wie am Fließband.
Und heute?
Heute schaue ich auf eine der Yachthafenanlagen von Vancouver und ueberlege mir, wo und wie ich wohl diesmal in das neue Jahr hineinfeiern werde. Auf der Suche nach oeffentlichen Veranstaltungen mit Feuerwerk musste ich schnell einsehen, dass solche Feiern in Vancouver gar nicht ueblich sind. Aus "Angst" vor zu grossen Unfaellen sind private wie auch oeffentliche Feuerwerke verboten. Alternative? Fuer ganz viel Geld sich ein Ticket fuer eine "All-Inclusive-Feier" kaufen oder aber fuer weniger, aber dennoch viel Geld sich ein Ticket im Voraus fuer eine Bar holen, wo man dann immerhin im Kreise von anderen (lustigen) Menschen den letzten Abend des Jahres feiern kann. Nur reicht auch hier die Spanne von 20 Dollar bis ...open end. Gestern (30.12.) waren wir uns noch nicht einig, wo es uns drei hinverschlagen wird. Immerhin sind wir nun, "puenktlich" 8 Stunden vor 0 Uhr schlauer. Robert, Kevin und ich werden in ein ukrainisches Restaurant gehen, wo bei freiem Eintritt Livemusik auf uns wartet. Und wo ukrainisch drauf steht, ist hoffentlich auch ukrainisch - sprich Osteuropa drin. Und die Osteuropaer sind bekannt fuer ihre Ausdauer beim Feiern. Deshalb sollte da nichts schief gehen... In diesem Sinne "Dawei, dawei towarischi!"
Der letzte Tag des Jahres begann sportlich fuer mich. Nach langer Durststrecke traf ich mich heute frueh bei herrlicher trockener Kaelte mit Martin zu einer Laufrunde. Ganz entspannt nach unserem gestrigen mehr als reichhaltigen (aber dennoch sau gesunden) Abendessen gemeinsam mit seiner Frau bei uns in der Wohnung, ging es heute ganz im Sinne "der Fettverbrennung" am Yachthafen entlang. Vorbei an "schlafenden" Luxusbooten, unter der Granville- und der Burradbridge hindurch; dann den Aquaticcenter rechts liegen gelassen erreichten wir das Wahrzeichen an der English-Bay, das "Inukshuk". Dort hies es kurz: "In den Liegestuetz fallt!". Wieder aufgestanden joggten wir ueber den "Second Beach" zur "Lost Lagoone" wo gleichzeitig unser "Wendepunkt" und Zeit fuer eine kurze Trinkpause war.
Was im Voraus als kleine Runde gedacht war, wurde letztlich doch etwas laenger. Ganze 2 Stunden wat ich unterwegs. Danach gab es noch ein kurzes "work-out" im eigenen Zimmer inkl. Lockerung und Dehnung bevor es unter die heisse Dusche ging. Und schon war ich fit fuer den Tag. Kevin ueberraschte mich mit einer großen Nudelpfanne. Somit waren die Energiespeicher auch wieder voll :-)
Nach dem Essen wurde ich bei einer lustigen Skype-Sitzung Zeuge, wie sich im fernen und doch vertrauen Rostock fuer die Silvesternacht vorbereitet wurde ;-). Da kam Feierstimmung auf. Vor allem, als mir leckere Bananencocktails vor die "Nase" gesetzt wurden...
Zur gleichen Zeit zog unser neuer Mitbewohner ein. Aus einem Suedkoreaner "wird" nun ein Taiwanese. Erik (was fuer ein typischer Name!) wird nun fuer "schlappe" 460 CAD in der Abstellkammer einziehen...Wir sind gespannt, wie lange er sich das antut.
Die letzten Tage nach Weihnachten haben wir mit 1,5 Tagen arbeiten bei Lush verbracht, die mehr unter dem Motto "Saubermachen-nach-dem-Saubermachen" fallen. Weil keine grossen Bestellungen eintrafen, haben wir 1. die restlichen Weihnachtsleckereien aufgegessen und 2. an Stellen geputzt, die fast noch nass vom "Vor-Weihnachtsputz" waren. Aber was ich zu meiner Zeit im "Tarnfleck" gelernt habe, kann ich 1:1 bei Lush anwenden: nicht nachdenken und nicht nachfragen. Einfach nur machen. Alles ist ja immerhin ganz leicht verdientes Geld. So "etwas" kann man ja immer gut gebrauchen. Nicht wahr?
Zumal wir unser Vorhaben vom Heiligabend wahrwerden liessen. Am 26.12. waren wir von Frueh 10 Uhr bis abends 9.15 auf dem Cypressmountain. Bei starkem bis zum Teil sehr starkem Schneefall ging es (fast) bis zum letzten Zeitpunkt, wo die Lifte geoeffnet haben. Letztlich war es eine vernuenftige Entscheidung, doch nicht bis 22 Uhr zu boarden. Auf dem Parkplatz angekommen, mussten wir das erste Mal die Schneeketten am Fahrzeug anlegen um anschliessend im Schritttempo vom Berg runter zu kommen. Zwischenzeitlich hatte es sogar eine Vollsperrung der einzigen Zufahrtsstasse zum Skigebiet gegeben. Grund: ein Auto hatte sich ueberschlagen. Davon waren wir aber nicht betroffen. Robert, Kevin und ich bekamen es nur bei unserer zweiten langen "Futterpause" mit, als alle Softdrinks und die heisse Schokolade kostenlos waren. :-) Glueck brauch der tuechtige Snowboarder. So wurden einige Kakaos "vernichtet". Den Magen hat es gefreut. Immerhin waren wir ueber 8h auf dem Hang. Dementsprechend fielen wir nachts in unsere Betten. Da bedarf es keiner Einschlafmusik mehr. : D
Und weil es bei Lush immer weniger zu tun gibt, konnte ich mir zwischenzeitlich einen zweiten Job "an Land ziehen". Letztlich durch einen Zufall. Aber was heisst schon Zufall. Kevin plauderte auf dem East Broadway auf offener Strasse eine Weile mit einem netten Herren, der sich als Manager eines Outdoorsportfachgeschaeftes ausgab. Und ehe ich mich versah, stand ich auch schon selber im Laden. Resumé abgeben, ein kurzes nettes Gespraech und einige wenige Tage danach ein laengeres Interview. Fertig. Gestern hatte ich bereits meinen ersten Arbeitstag im "ajbrooks-Store". Der Großteil des Umsatzes wird mit Wanderschuhen erzielt. Marke: MEINDL. Sitz: Kirchanschoering. Noch nie gehoert den Ort? Ich bis dahin auch nicht. Macht also nichts. Fest steht, dass eine kleine Gruppe von Canadiern die Top-Qualitaet seit ueber 17 Jahren zu schaetzen weiss. So zaehlen u.a. Angehoerige mehrerer Polizei- und Feuerwehreinheiten zur Stammkundschaft des Laden. Ebenso Jaeger und Fischer.
Vom "Seifenkneter" hin zum Verkaeufer. Auch nicht schlecht. Ich bin ganz zufrieden.
Und wenn ich nach dem Arbeiten noch Zeit habe - was zur Zeit ziemlich haeufig vorkommt - gehe ich wieder regelmaessiger zum Schwimmtraining. Aber in erster Linie auch, um einen besonderen Sportler (Scott) zu trainieren. Ueber die mexikanische Schwimmtrainerin bin auf jemanden aufmerksam geworden, der sich akribisch auf die paralympischen Sommerspiele vorbereitet. Disziplin: 100m Brust. Weil das aber ohne Beine sehr schwierig wird, kommen Flossen, besser: eine Flosse zum Einsatz. :-) Da komme ich ins Spiel. Selber im Wasser vorfuehren und anschliessend anteilen. Das bereitet mir derzeit richtig viel Freude. Ich sehe es als eine Herausforderung an, die mir bekannten Techniken mit Stereo- und Monoflossen auf den paralympischen Sport anzuwenden. Eine neue aber durchaus spannende Erfahrung. Lange Zeit hat der Athlet nicht mehr. Bereits im Maerz findet der entscheidende Wettkampf statt, wo er sich fuer Olympia qualifizieren moechte. Weniger Zeit bedeutet mehr Motivation fuer mich :-)
Na gut. Das soll es von mir im "alten" Jahr 2011 gewesen sein. Keine 4 Tage mehr und dann bin ich schon ein Vierteljahr in Vancouver...so schnell geht es.
Ich wuensche Euch allen einen guten Rutsch ins Neue Jahr, feiert schoen, bleibt vor allem gesund! Alles andere wird sich ergeben.
Ich danke all denjenigen, die mich ueber die grosse Entfernung bisher unterstuetzt haben und weiterhin unterstuetzen. Dank Euch sehr fuer die aufmunternden Worte in den vielen Emails, Skype und Facebooknachrichten. Am schoensten sind die Videogespraeche ueber Skype! Davon kann es nie genug geben :-)
Feierliche Gruesse aus Vancouver!
Euer Maikl
PS: leider habe ich heute keine Fotos fuer Euch. Ich warte immer noch auf die Bilder vom Nachtsnowboarden vom Robi... ;-p
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen